Schüler waren über die Umfrageergebnisse zum Thema „Jugendliche“ geschockt.

Im Rahmen der mathematischen Unterrichtseinheit „Daten“ beschäftigte sich eine Gruppe der SchülerInnen der Klasse 10 der FBK-Schule Beckingen mit praktischer Datenerhebung und Auswertung. Gemeinsam war schnell ein Thema gefunden: „Jugendliche“.

Im 2. Schritt überlegte man sich, was für einen selbst am Thema interessant wäre und legte so grob als Unterpunkte „Gesundheit“, „Benehmen“ und „Lebensplanung“ fest. Dann wurden zu diesen Punkten Fragen formuliert, wobei sich die ersten Schwierigkeiten ergaben. Die Fragen sollten knapp, konkret und leicht abfragbar sein. Man stellte aber schnell fest, dass die Genauigkeit der erwarteten Antworten an die Exaktheit der Fragen gekoppelt ist und realisierte, dass durch geeignete Fragestellung gewünschte Antworten produziert und so die Umfragen „gemacht“ werden können, da der Leser die Fragestellungen in der Regel nicht kennt und nur das Ergebnis der Umfrage sieht. Ebenso wurde beim Formulieren der Fragen klar, dass der Zeitpunkt der Umfrage (abhängig von medialen Ereignissen oder dem Datum im Jahresverlauf) das Ergebnis maßgebend beeinflussen kann. Außerdem ist es bei der Beurteilung von Umfrageergebnissen wichtig zu wissen, wer die Umfrage in Auftrag gab und welche Intension (wissenschaftlich/ wirtschaftlich) dahinter stecken könnte. So wurde bereits bei der Erstellung der Umfrage das Misstrauen der SchülerInnen gegenüber authentischem Datenmaterial geweckt und die Kritikfähigkeit gefördert.

Bei der praktischen Durchführung in der Ortsmitte von Beckingen zeigte sich dann wie schwer es ist, fremde Personen gezielt anzusprechen und zu animieren, Rede und Antwort zu stehen und einen kleinen Teil ihrer Zeit zu opfern. Die Auswertung war stupide Zählarbeit, aber die Darstellung der Ergebnisse in Diagrammen veranschaulichte das eigentlich in großen Teilen erwartete Ergebnis, wobei man bei einigen Fragen über die Eindeutigkeit des Ergebnisses geschockt war. So fanden beispielsweise jeweils etwa 80 % der Befragten, dass Jugendliche keine oder nur ungenaue Vorstellungen von ihrem Berufsleben haben und sich über Absicherungen für ihr späteres Leben nur ungenügend Gedanken machen, sowie die Hemmschwelle für Gewalt bei Jugendlichen niedriger liegt als früher.

Bei der Auswertung bestätigten die Gespräche mit den Befragten die theoretischen Überlegungen zu Manipulationsmöglichkeiten der Ergebnisse von Umfragen. Alle waren sich einig, dass der Aufwand sich gelohnt hat und man eine andere Seite der Mathematik mit großer praktischer Bedeutung kennen gelernt hat.  (RS 08-2011)