Projekt „Kunst macht Schule" ging in Beckingen über die Bühne

Wilhelm Mundt fertigte „Trashstones“ (19. – 24.03.2001)

Erinnerungen kunstvoll verpackt: Das haben die Schüler der Erweiterten Realschule in Beckingen. Im Rahmen des Projektes „Kunst macht Schule" arbeiteten sie mit dem Künstler Wilhelm Mundt. Das Thema „Zeit und Erinnerung" stand eine Woche lang auf dem Lehrplan der Siebtklässler der Erweiterten Realschule in Beckingen. Im Rahmen des landesweiten Projektes „Kunst macht Schule" fertigten sie mit dem Kölner Künstler Wilhelm Mundt Skulpturen ganz besonderer Art: „Trashstones".

Die Zwölf- bis 14-jährigen sollten persönliche Erinnerungsstücke von zu Hause mitbringen, die dann mit Klebeband und Polyester-Gewebe umwickelt wurden und damit die Form ihrer Skulptur prägen. „Die Schüler haben begeistert allerhand Kram mitgebracht", erzählt Mundt. Spielzeug, Textilien, Schuhe. Zeitschriften, Kuscheltiere und sogar Reitstiefel waren die Utensilien, zu denen die Jugendlichen eine „besondere Bindung" haben. Hinzu kamen Gegenstände aus der Schule wie eine Tastatur, ein Lineal oder gar ein Stuhl, die ebenfalls verarbeitet wurden.

Die Idee zu dieser Art Kunst hatte Mundt aus einer praktischen Überlegung heraus: „Die Skulpturen gehen zur Vordertür heraus, der ganze Müll, der bei der Arbeit entstanden ist, verlässt den Raum durch die Hintertür. Ich will, dass auch der Abfall durch die Vordertür geht" Nachdem aus den Gegenständen und dem Polyester-Gewebe ein fester Brocken entstanden war, gingen die 20 Jungen und Mädchen - die Anzahl der Schüler war begrenzt - mit Farbe und Pinsel zur Sache.

An einen Orka-Wal erinnert der schwarze Stein einer Gruppe, eine andere hatte die knallgelbe Variante gewählt. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis", erzählt Mundt. „Die Zeit war nur etwas knapp." Und auch die Schüler sind begeistert: „Es war ganz toll, mit einem richtigen Künstler zu arbeiten", schwärmt Jeanette Donate aus Erbringen. Die 13-Jährige weiter: „Im Museum sieht man nur Bilder, hier weiß man auch, was der Künstler damit ausdrücken will."  Julia Groß aus Düppenweiler schließt sich an: „Das ist wesentlich besser als normaler Unterricht."    

Als vollen Erfolg wertet auch Schulleiter Werner Heilmann die Projektwoche: „Sie hat sehr gut in unser Konzept, die Schule zu öffnen, gepasst." In einer Zeit, in der die neuen Medien im Vordergrund stehen, bestehe die Gefahr, dass der Unterricht zu kopflastig werde: „Wir wollen einen Ausgleich schaffen." Mit der Kunst werde auch wieder die emotionale Seite der Jugendlichen angesprochen. Und diese Projektwoche „ermöglicht eine persönliche Bindung der Kinder zu ihren Kunstwerken“: Denn: „Es ist ja ein Stück von ihnen in jedem Kunstwerk." Insgesamt fünf Steine haben die Jungen und Mädchen gefertigt. Diese werden nach der Präsentation im Saarlandmuseum in der Schule ausgestellt. Dazu der Schulleiter: „Es ist doch eine tolle Sache, einen echten Mundt hier zu haben." Denn Wilhelm Mundt sei ein sehr gefragter Künstler. „Er war heiß begehrt," weiß auch Erhard Seger, Referatsleiter für Kultur beim Kultusministerium, dass mehrere Schulen Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Kölner hatten. Auch er ist ein Fan von „Kunst macht Schule." Denn auf diese Weise lernen die Schüler, dass Kunst nicht nur Spinnerei sei: „Sie können die Kunst leibhaftig erleben“. Und noch etwas haben die Jungen und Mädchen gelernt. „Kunst ist harte Arbeit."