Schüler als Kirchenbauer

Müll im Religionsunterricht - ERS Beckingen und eine Idee zur Wiederverwertung

„Was sollen wir?“, so die ungläubige Frage eines Schülers der Klassenstufe 7 H. Mit einer etwas ungewöhnlichen Idee versuchte der Fachlehrer H. Feichtner gegen die zunehmende Unterrichtsmüdigkeit im Fach Religion anzugehen. Dreißig Schülerinnen und Schüler der siebten Klassenstufe des Hauptschulzweiges wurden aufgefordert zu Hause und in der Schule Material der gelben Säcke zu sammeln und zu horten. „Und was wird das jetzt?“ Nachdem einige Vermutungen wie Sammeln für einen guten Zweck oder der Verdacht auf Beschäftigung ohne Sinn geäußert waren, erfolgte die Erlösung: „Wir bauen Kirchen!“ Nach regen Diskussionen steckte der Lehrer einen Rahmen für das Projekt ab. Die Schüler/innen erstellten in Gruppen zuerst eine Planungsskizze, wie ihre Kirche aussehen sollte – gar nicht so einfach, wenn es galt, unterschiedlichste Vorstellungen unter ein Dach zu bringen. Angeregt wurde diskutiert oder auch nur in aller Stille gestaunt, wenn plötzlich zurückhaltende Schüler missionarischen Eifer zeigten. Schnell entdeckten die eifrigen Architekt/innen, dass ihr Bild von einer Kirche doch stark von dem traditionellen geprägt ist. Erst nach einigen Anregungen durch den Fachlehrer, wie eine Kirche für sie aussehen soll, zeigten die meisten mehr Mut und Fantasie bei der Umsetzung.

Doch Freude und Schrecken liegen bekanntlich dicht beieinander. „Das mach ich nicht!“ „Iih, da geh ich nicht mit dem Finger dran!“ Der nächste Schritt verlangte den Schüler/innen einiges an Überwindung ab. Denn nun musste das Material vor seiner Verarbeitung gesäubert werden. Milchreste,

angegammelte Saftflaschen, geheimnisvolle Tetrapacks mit unsichtbarem Restinhalt waren der Grund für die standhafte Weigerung sich dem Müllmaterial handlungsorientiert zu nähern. Viel Überzeugungsarbeit, Spülmittel und –schüsseln, Plastikunterlagen, Trockentücher und natürlich das Vorbild des Fachlehrers, der selbst Hand anlegte, waren notwendig. Schließlich griffen fast alle zu – wenn auch mit Ekelkommentaren. Nach einer Unterrichtsstunde atmeten alle erleichtert auf. In der Folgestunde konnten endlich die ersten Grundsteine gelegt werden. Mit den Tücken der Objekte und dem plötzlichen Verschwinden bereitgelegter Gegenstände in darauffolgenden Stunden kämpften die Schüler/innen ausdauernd. „So haben wir uns das vorgestellt, aber das Zeugs klebt einfach nicht.“ Eine kleine Einführung ins Kontaktkleben behob die meisten der Probleme. Schwieriger gestaltete sich das passende Auffinden und Zurechtschneiden der Müllmaterialien. Was kommt wohin oder worauf? Nach einigen Stunden harter Arbeit und der Erfahrung, dass man sich in einer Gruppe nicht selbstverständlich auf jeden verlassen kann, konnten die Stukkateurarbeiten beginnen.

 Doch die Osterferien durchbrachen leider die Arbeit. Eine Hausaufgabe, Putz- und Farbmaterial während dieser Zeit zu besorgen, versandete bei einigen. Verzögerungen im Arbeitsablauf und verärgerte Äußerungen der Pflichtbewussten folgten in der ersten Stunde nach den Ferien. Wieder waren Fantasie und Ideenreichtum angesagt, die sich auch in unterschiedlicher Weise äußerten. „Ey, das habt ihr von uns geklaut.“ Schließlich bewunderten die Noch-Arbeiter das erste Ergebnis ihrer Klassenkamerad/innen. Das und der Hinweis von H. Feichtner Fotos mit einem Text an die Zeitungsredaktion zu schicken spornte den Rest der Klasse an. Höhepunkt der Arbeit war das Klassenfoto gemeinsam mit den sehr fantasievollen Vorschlägen voller Lebensfreude, so, wie Jugendliche sich ihre Kirche als Gebäude vorstellen. Drei Schüler gestalteten aus Unsicherheit darüber, ob ihre Gruppe noch ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt, ihre eigene Kirche zu Hause – was sich in beeindruckenden Formen darstellte. Für alle Teilnehmenden waren Ergebnis und die Erfahrung in der Gruppenarbeit gleichermaßen wichtig – ein Projekt, das zum Wiederholen anregt. Vielleicht lädt eine der Kirchen irgendwann einmal zum Besuch ein.