Klassenweise wurden die Schülerinnen der Erweiterten Realschule in Beckingen am gestrigen Girls' Day an die technische Welt herangeführt. An vier Stationen konnten sich die Mädels - und natürlich auch die Jungs - ausprobieren: Eine Seilbahn hatte das THW zwischen zwei Fahrzeugen konstruiert, an der sich die Mädchen begeistert abseilten. Im Ernstfall seilen die Helfer sich und andere damit aus Höhenlagen oder Gebäuden ab.
An der zweiten Station durften die Girls an typische Jungen-Sachen ran: Mit dem Schere-Spreizer, einem technischen Gerät, mit dem sowohl Materialien durchtrennt als auch auseinander gebogen werden können, zerlegten die Mädchen mit sichtlichen Vergnügen alte Fahrräder. Das THW benutzt das Gerät unter anderem, um Personen aus Autos zu befreien.
An der dritten Station sammelten sich die meisten Neugierigen: Drei ausgebildete Rettungshunde des Ortsvereins Perl-Obermosel führten ihre Geschicklichkeit vor. Personen oder Gegenstände aufzuspüren oder über wacklige Balken zu balancieren, lernen die trümmergängigen Tiere in ihrer zweijährigen Ausbildung.
Die vierte Station bildet das GKW1, das Basisfahrzeug der Rettungstruppe: "Eine fahrende Werkszeugskiste" nennt Wolfgang Stähly vom Ortsverband Dillingen den Wunderwagen. Darin findet sich alles, was bei einem technischen Einsatz im Notfall wichtig sein kann. Und wie wird man Mitglied beim THW? "Einfach mal herkommen, mitmachen, dann gibt es erstmal eine Probezeit", erklärt Stähly. Wer sich entscheidet zu bleiben, wird in der Jugendgruppe ausgebildet. "Mit 18 Jahren erhält man dann die Grundausbildung zum Helfer, die Basis 1, danach folgt die Ausbildung in der Bergung, die Basis 2.". Die Mitglieder des THW sind alle Ehrenämtler, also betreiben ihre Helferarbeit nebenberuflich. "Da muss die Familie schon mitspielen", schmunzelt Stähly.
Denn der zeitliche Aufwand begrenzt sich natürlich nicht auf die wöchentliche Ausbildungszeit.
Der Jugendausbilder des THW Beckingen, Patrick Erbersdobler, erklärt den Inhalt der Jugendtreffen: "Die Ausbildung ist fast dieselbe wie die der Erwachsenen: Es geht um die technische Hilfeleistung, aber auch um Teamarbeit und die normale Jugendarbeit, also Zeltlager oder auch mal eine Fahrt in den Freizeitpark. Und: Die Jugendlichen werden mit den Einsatzfahrzeugen zu Hause abgeholt." Die Gründe für Mädchen, beim THW mitzumachen, fasst er zusammen: "Natürlich, um Menschen in Not zu helfen. Dann vor allem das Interesse an technischen Dingen, aber auch die Gruppenzusammengehörigkeit. Und weil sie den Jungs beweisen können, dass auch Mädchen technisch begabt sind."
Und die Jugendarbeit scheint zu funktionieren: Etwa ein Drittel der Junghelfer bleibt dem THW auch später erhalten. "Der Zulauf ist groß", erklärt Erbersdobler. Gerade die Homepage finde große Resonanz. Die Schülerinnen der ERS Beckingen sind noch nicht überzeugt. "Uns gefällt das nicht so", sind sich Laura Kautenburger und Emily Hartung, beide 13 Jahre alt, einig. Und Michelle Büchel (13) fügt hinzu: "Ich probiere gerne alles aus. Aber Mitglied werden, das wäre jetzt nicht so mein Ding." Das THW ist aber genau "das Ding" von Angelina Jicha (15), Yvonne Hussinger (13) und Saskia Detzen (13), alle seit Jahren überzeugte Mitglieder: "Wir finden es interessant, alles zu lernen, die Gruppenarbeit macht Spaß. Vielleicht kann man später als Aktive Menschen in Not helfen", meint Angelina. "Und man wird gleichberechtigt behandelt, das ist wichtig!" Yvonne erklärt: "Ich finde es gut, dass auch Mädchen was machen dürfen, nicht nur die Jungs, zum Beispiel mit Motorsägen arbeiten." Lisa Dühr (12) ist seit fast vier Jahren dabei und hat die anderen Mädels angeworben: "Man lernt auch die Teamarbeit, zu teilen und zusammenzuhalten." Und fügt hinzu: "Außerdem finde ich es cool, mit einem Aggregat zu arbeiten."
Quelle: SZ vom 24.04.2009