Schüler sprechen eine Sprache

Erstmals im Saarland sind 14- und 15-jährige Schülerinnen und Schüler als eine Art Drogenberater ausgebildet worden. In Beckingen klären eigens dafür ausgebildete Jugendliche ihre Altersgenossen über Drogen und deren Gefahren auf. Ihre Bilanz des ersten Einsatzes in der Schule ist positiv: „Wir sind voll akzeptiert."

Schulleiter Werner Heilmann kennt seine Grenzen. „Wenn ich einen Schüler beim Rauchen auf dem Schulhof überrasche und ihn darauf anspreche, ist doch klar, was passiert: Nie wieder werde er rauchen, wird er mir versichern, aber er weiß genauso wie ich, dass das nicht stimmt," sagt der Leiter der Erweiterten Realschule Beckingen. „Der Schüler sagt es halt automatisch so, da ist eine Barriere.“ Heilmann mag es gut meinen, aber es wird wenig nutzen. „Nach langjährigen Erfahrungen in der Prävention ist klar geworden, dass Erwachsene das Verhalten von Jugendlichen nur sehr schwer beeinflussen können", bilanziert Sozialarbeiterin Cornelia Bechthold von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Merzig. Mehr Erfolg, vermuteten Bechthold und Awo-Kollege Werner Konz, könnten Jugendliche selbst haben, die mit Altersgenossen über Suchtgefahren redeten, „in der gleichen Sprache und gleichberechtigt." Das ist der Kern des Projektes „Warum nicht von Gleich zu Gleich?". Dafür wurden drei Teams mit je zwei 14- und 15-jährigen Jugendlichen ausgebildet und zur Diskussion über Suchtgefahren an ihre Schule, die ERS in Beckingen, geschickt.

„Peer-Groups" nennen die Sozial-Fachleute solche Gruppen Gleichaltriger. Gleich beim ersten Durchgang bestätigten die Schülerinnen und Schüler auf eher überraschende Weise die Annahme der Sozialarbeiter, dass es in Sachen Drogen-Vorbeugung schon sprachlich Barrieren gibt: „Wir haben anfangs selbst nicht

verstanden, wovon wir da geredet haben", räumt Björn Unverricht, 15, ein. „Wir sind erst draufgekommen, als wir in der Klasse so gesprochen haben, wie wir es sonst auch tun würden." Danach lief es gut. In Zweierteams gingen Sabrina Reiner., Kerstin Weber, Sarah Selzer, Björn Unverricht, Jens Daub und Anna Fontaine - die ersten jugendlichen Drogenberater im Saarland - in die Siebener-Klassen an der Beckinger Schule. „Die Leute haben mitgemacht, sie wollten zu Wort kommen, stellten Fragen, und jeder hat dazu

was erzählt, was ihm so passiert ist," erinnert sich Sabrina. „Keine großen Sachen", aber was genau, plaudern sie trotzdem nicht aus. Schließlich ging es nicht um Kontrolle, sondern um Aufklärung darüber, wie Süchte entstehen, und wie sie wirken. „Das hat bessere Wirkung als der Unterricht", resümiert Schulleiter Heilmann. An seiner Schule habe es zwar „bisher keinen Vorfall im Zusammenhang mit Drogen" gegeben, aber „im Umfeld wird schon mal dies und das beobachtet, wie im Umfeld jeder Schule."

400 Kinder gehen in die Beckinger ERS, knapp 140 in die Achter- und Neuner-Klassen. 80 von ihnen meldeten sich auf die erste Anfrage, ob sie sich für einen Einsatz in der Drogenprävention schulen lassen wollten. „Eine ganze Menge", meint Sozialarbeiterin Cornelia Bechthold. Viele sprangen jedoch vorher ab, weil Praktika anstanden, manche, weil vier mal drei Stunden Training arg nach Arbeit aussahen. Am Ende standen die drei Teams, die immer zwei Schulstunden lang über Drogen von Koffein und lasch über Alkohol bis zu Ecstasy redeten. „Sie ersetzen natürlich keine Fachberatung", sagt Heilmann, „aber die Sperre zwischen Erwachsenen und Jugendlichen ist da aufgehoben."

Alle sechs wollen in die nächste Präventionsrunde, nochmal in die Klassenzimmer, kommendes Schuljahr vielleicht. Gebracht habe es beiden Seiten was, den jungen Fachleuten wie den anderen Schülern. „Ich war vorher von den Drogen abgeschreckt, aber jetzt weiß ich auch warum", sagt Sarah Selzer. Auf dem Schulhof, berichten die jungen Leute, würden sie schon mal angehauen: „Hallo, wann kommt ihr denn wieder?"