Reise der Verständigung und Versöhnung führt auch in die Gemeinde Beckingen

Jüdische Delegation aus Vilnius/Litauen zu Gast an der ERS Beckingen (April 2005)

 
 „Seit 1953 unternehmen wir zweimal im Jahr eine Reise nach Deutschland“, erklären Ramoniene Rozeta und Viktor Chramcov aus Vilnius/Litauen. „Es sind Reisen der Versöhnung und der Verständigung, denn wir treffen heute auf eine junge Generation in einem Deutschland mit demokratischer Gesinnung, die an dem Geschehen nicht schuld ist“, so die beiden Überlebenden der KZ-Ghettos in Litauen stellvertretend für die anderen Mitglieder ihrer Reisegruppe. Die Reisen werden vom Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg organisiert. Zwei Wochen war die Gruppe in den Gemeinden Schwemlingen und Beckingen bei Gastfamilien und teilweise auch in der Seniorenbetreuung „Haus Blandine“ in Düppenweiler untergebracht und absolvierte ein umfangreiches Besuchsprogramm.

Eine Station in der Gemeinde Beckingen war auch ein Besuch der Erweiterten Realschule Beckingen. Die Schüler der Klassen 10ma und 10mb befassen sich im Unterricht gerade mit den Thema „Nationalsozialismus“ und waren betroffen von den Berichten von Zeitzeugen, die den Holocaust überlebten.
So erzählte der aus Bryansk in Russland stammende Viktor Chramcov aus seinem Leben. Sein Vater wurde an der Front erschossen. Seine Schwester Neli wurde mit Kindern und Ehemann von den Nationalsozialisten erschossen, er selbst als Junge von der Straße weg nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert.

Bildmitte am Pult Viktor Chramcov

 

 

Mehrmalige Fluchtversuche misslangen. Die Gestapo steckte ihn in mehrere Gefängnisse und am Schluss in das KZ in Dachau. Dort landete er zunächst in einem der Versuchstationen für Malaria, Fleckfieber, Unter- und Überdruck sowie Erfrierungsversuche. Diese Versuche überlebte niemand. Viktor hatte Glück und wurde in einen Arbeitsblock verlegt. Was Victor Chramcov dort erlebt und gesehen hat, erzählt er den Schülern mit erregter Stimme, zeigt Pläne des KZs und der Baracken, Fotos von Leichenbergen, inhaftierten und gequälten Häftlingen. 
Ja, er habe jeden Tag Angst um sein Leben gehabt. Ja, die Aufseher waren wirklich so grausam, wie man es heute oft im Fernsehen und in Dokumentationen sieht und liest, beantwortet er die Fragen der Schüler. Kurz vor der Befreiung des Lagers durch die US-Armee führte die SS noch 6000 Menschen aus dem Lager und brachte sie um. Viktor versteckte sich hinter den Leichenbergen und überlebte so. 

 
Nach Kriegsende fand er seine Mutter und die beiden Brüder Dmitri und Yevgeni in Vilnius in Litauen wieder. Ja, er könne verzeihen, antwortete Viktor Chramcov auf die Frage der Schüler. „Wir besuchen heute Deutschland, führen Gespräche, auch mit Deutschen, die in Russland in Kriegsgefangenschaft waren und beide Seiten lernen verstehen“, so Viktor zu den Schülern.