Projekttag Klasse 7mc am 20.06.2002

Die Landesgrenze von 1779

Im Lehrplan des Faches Geschichte Klasse 7 ist zum Abschluss eines Schuljahres ein Thema „Geschichte vor Ort“ vorgesehen. Aus diesem Grunde beschäftigte sich die Klasse 7mc der ERS Beckingen mit der alten Landesgrenze von 1779, die oberhalb von Beckingen am Rande des Bietzer Waldes vorbeilief. Zunächst wurde das Thema im Unterricht vorbereitet, um Hintergründe hierüber zu erfahren.

Der Deutsche Reich war über das ganze Mittelalter hinweg kein einheitlicher Staat. sondern bestand aus zahlreichen kleinen Territorien (Herzogtümer, Grafschaften, Fürstentümern usw.) Unser Gebiet lag dabei im Grenzraum zwischen verschiedenen Herrschaften. Merchingen, Beckingen, Haustadt, Honzrath, Erbringen und Reimsbach gehörten früher zum Herzogtum Lothringen mit der Hauptstadt Nancy. Düppenweiler und Oppen hingegen gehörten zum Kurfürstentum Trier.

1735 wurde nach dem Polnischen Erbfolgekrieg beim Friedensschluss in Wien beschlossen, dass der damalige lothringische Herzog Franz Stephan im Austausch mit anderen Gebieten auf sein Herzogtum Lothringen verzichten sollte. Stanislaus Leszinski, der Schwiegervater des französischen Königs Louis XV, musste zur gleichen Zeit auf die polnische Krone verzichten. Er erhielt dafür als Entschädigung das Herzogtum Lothringen, das nach seinem Tode an Frankreich als dessen Erbe übergehen sollten. Als der lothringische Herzog Stanislaus Leszinski dann im Jahre 1766 verstarb, fiel das Herzogtum Lothringen an Frankreich. Die oben genannten ehemaligen lothringischen Dörfer gehörten von nun an zu Frankreich. Es entstand eine neue Staatsgrenze zwischen Frankreich und dem Kurfürstentum Trier.

Informationstafel am Grenzsteinwanderweg Ein Stein ist gefunden! Stein im Wurzelwerk einer Buche

Daher wurden im Jahr 1779 am Rande des Bietzer Waldes mächtige Grenzsteine gesetzt, die die Grenze zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich bildeten. Auch heute noch sind diese Grenzsteine eine gültige Grenze zwischen den Dörfern der Gemeinde Beckingen und der Stadt Merzig.

Am 20. Juni nun galt es, diese Grenze in Augenschein zu nehmen und einige der Grenzsteine zu suchen. Bei sehr schwülem Wetter und einem beschwerlichen Aufstieg konnte oberhalb des Margarethenhofes an einer von der Gemeinde Beckingen errichteten Schautafel die schon gewonnenen Informationen vertieft werden. An dieser Stelle führt der Grenzsteinwanderweg vorbei. Ein kürzlich nachgegossener Grenzstein veranschaulicht in besonderem Maße den Aufbau der Steine, zumal die Originale innerhalb der letzten 220 Jahren verständlicherweise stark verwittert sind. Nun galt es, die Originalsteine, die oft im Gestrüpp versteckt stehen, zu finden. Dabei fielen den Kindern interessante Einzelheiten auf. Jeder Stein ist nummeriert. Auf jedem 10. Stein steht die Jahreszahl 1779. Die Vorderseite, die nach Frankreich hin gerichtet war, trägt als Symbol des französischen Königs eine Lilie. An der Rückseite ist als Zeichen Kurtriers ein Kreutz eingearbeitet. Auf der Oberseite eines Steines ist eine durchlaufende Kerbe eingemeißelt, die den exakten Grenzverlauf anzeigt und die dessen Richtung verdeutlicht. In einer kleinen Zeichnung stellten die Schüler alle Seiten eines Steins bildlich dar. Nach dieser erfolgreichen Forschungstätigkeit wurde der Tag an einer angenehm kühlen Quelle mit einer Wasserschlacht abgeschlossen.