Wieder zurück von der Insel

Englandfahrt der ERS Beckingen 2003 (vom Sa 20. – Fr. 26.09.)

Wohlbehalten, um viele Eindrücke, Erfahrungen und Sprachkenntnisse reicher kehren 29 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 und 10 der Erweiterten Realschule Beckingen aus Südengland zurück. Bei schönem und noch warmen Wetter verlief unsere Anreise seit den frühen Morgenstunden (730 Uhr !!! - und ein schulfreier Samstag!!!) über Luxemburg, Belgien und Frankreich nach Calais. Während der eineinhalbstündigen Überfahrt konnte man den Bewegungsmangel der langen Busfahrt ausgleichen und sich mit Unterstützung der Bordgastronomie stärken. Spätestens als die beeindruckenden Kreideklippen von Dover sichtbar wurden, fanden sich die meisten staunend auf Deck ein.

Gegen 1600 Uhr (GMT – die Uhren waren mittlerweile um eine Stunde zurückgestellt) setzten wir die Fahrt zu Lande fort. Noch ca. 260 Kilometer waren zu bewältigen. Der Bus erreichte das Ziel, einen Busparkplatz in einem Park im Osten der Stadt Bournemouth im Süden Englands mit Beginn der Dämmerung. Beim Schein von Taschenlampen gab es die ersten Kontakte mit den sich rasch einfindenden Gasteltern. Am Sonntagvormittag stand zunächst die Besichtigung des facettenreichen Gartens von Compton Acres, hoch über der Nachbarstadt Bournemouth’ Poole, mit ihrem nach Sydney zweitgrößten Naturhafen der Welt, auf dem Programm. Der Ort fasziniert den Besucher mit typischen Vegetations- und Architekturelementen der Gärten verschiedener Länder wie Japan, Italien, Spanien und England; aber auch eine Vorstellung von Naturlandschaften wie kanadischen Wäldern oder schottischen Heiden wird vermittelt. Leider gab uns das diesige Wetter nie so recht den Blick frei auf die in Reiseführern für ihre zauberhafte Form gerühmte Bucht. 
Nachmittags kutschierte uns der Fahrer der Fa. Becker, Herr Thiel, mit seinem Bus 30 Kilometer weiter gen Westen nach Lulworth. Hier unternahmen wir eine Wanderung auf dem Küstenpfad von Lulworth Cove nach Durdle Door, zwei Highlights unter Englands Küstenspektakeln. Bei Lulworth Cove handelt es sich um eine fast kreisrunde Bucht, die vor etwa 10.000 Jahren durch die Erosion eines Fließgewässers und des Meeres entstand, bei Durdle Door um einen herrlich geformten Sandsteinbogen als Kulisse hinter einer kleinen Bucht. Der Küstenabschnitt gehört zum Weltnaturerbe. Anschaulich vermittelt der durch die abtragende Kraft der Stürme und Gezeiten freigelegte Fels eine Vorstellung von der Entstehung und Veränderung der  Erdoberfläche durch ungeheure Gewalten, beginnend vor 150 Millionen Jahren und bis in unsere Zeit hinein wirkend. 
 
Lulworth Cove und Durdle Door trennt eine Entfernung von 1,5 Kilometern. Weil jedoch 130 anstrengende Höhenmeter zu überwinden waren schaffte es nur ein Teil der Gruppe sich von der Schönheit von Durdle Dor zu überzeugen. Für Montag hatten wir uns die Besichtigung der Stadt Salisbury, ca. 50 Kilometer nördlich von unserem Quartier gelegen, vorgenommen. Salisbury gilt neben Bath als die schönste Stadt im Süden Englands. Schon bei der Anfahrt grüßte von weitem der mit 124 m Höhe höchste Kirchturm des Landes. Mit etwas Verspätung (Parkplatzsuche!) überquerten wir die mit schönen alten Häusern eingefasste Domfreiheit, den riesigen Rasenplatz, in dessen Mitte sich die einzigartige gotische Kathedrale erhebt. Unser Führer – ein freundlicher älterer Herr, der als Soldat in Rheinland-Pfalz Deutschkenntnisse erworben hatte wartete bereits. Nach der Begrüßung informierte er über die Ursprünge der Stadt (Old Sarum, ein seit der Eisenzeit besiedeltes Hügelfort außerhalb) und ihre Geschichte, die 45-jährige Bauzeit (1220 –1265) der Kirche, die Herkunft der verbauten Natursteinarten. Auf einem anschließenden Rundgang zeigte er uns einige interessante Details, wie Englands ältestes, vermutlich um das Jahr 1386 angefertigtes Uhrwerk, das heiter-bunte Grabdenkmal der Familie Mompesson, wie sich die sich die vier Hauptsäulen des ursprünglich nicht geplanten erst 1315 vollendeten Turmes, unter der ungeheuren Last von 6400 Tonnen Stein, krümmen. 
 
Für den, der sich nach der Führung noch weiter umschauen wollte gab es die Möglichkeit den Kreuzgang der Kathedrale zu bewundern, im Kapitelhaus ein ausgestelltes Original der Magna Charta, einer Verfassungsurkunde (1215), in der Adel und Kirche dem verhassten König weitreichende Rechte abtrotzten, zu betrachten oder, wie in vielen englischen Kirchen angeboten, einen Imbiss zu sich zu nehmen. Im Verlauf der anschließenden Erkundung der Altstadt konnte man dem Avon durch das Stadtzentrum folgen, rund um den  Marktplatz flanieren und das prachtvolle Marktkreuz Poultry Cross bestaunen, sich in der Milford Street das aus dem 14. Jh. stammende Red Lion Hotel anschauen, in dessen verwunschenem, efeuumrankten Innenhof früher die Postkutschen einfuhren. Gestärkt und ein wenig ausgeruht setzten wir nachmittags unsere Fahrt noch rund 20 Kilometer weiter gen Norden, nach Stonehenge, zum berühmten 3500 Jahre alten Steinkreis, dem größten steinzeitlichen Monument Europas, fort. Bei schauerlich stürmisch-kaltem Wetter umrundeten nur einige Unerschrockene, die sich nicht vor drohender Durchnässung fürchteten die Anlage.  Stonehenge war sehr wahrscheinlich ein Tempel, obwohl man nicht weiß, welche Gottheit verehrt wurde und welche kultischen Rituale im Innern des Steinkreises stattfanden. Möglicherweise diente er der Sonnenanbetung, da man exakt den Sonnenauf- und -untergang zum Mittsommer sowie Sonnenaufgang und -untergang zum Mitwinter bestimmen konnte; auch Mondauf- und -untergang sowie eine Mondfinsternis ließen sich mit Hilfe der Anlage errechnen. Die rund 80 kleineren, sogenannten Blausteine aus Wales hatten zusammengenommen etwa ein Gewicht von 100 Tonnen. In den Preseli Mountains von Südwest-Wales liegen solche Wackermänner überall herum, so dass keine Steinbrucharbeiten nötig waren. Auf Schlitten, die über runde Stämme gezogen wurden, brachte man etwa 2000 v.Chr. die Steine in den Naturhafen von Milford Haven und verfrachtete sie dort auf Flöße, war doch der Transport zu Wasser wesentlich einfacher als über Land - gutes Wetter und kein Seegang vorausgesetzt. Dann ging es entweder mit Ruderkraft oder möglicherweise schon mit Segeln die Südküste von Wales entlang. 
Auf der Höhe des heutigen Bristol, dort, wo der Avon mündet, wurden die Steine auf Boote umgeladen, da die Flöße auf dem seichten und schmalen Strom zu unhandlich waren. Über drei miteinander vertäute Einbäume kam ein gemeinsames Deck aus Stämmen, auf das man den Stein legte. Die Boote wurden dann entweder getreidelt oder gestakst. Kurz vor Stonehenge ging es wieder mit Schlitten bis zur Baustelle. Schwieriger gestaltete sich der Transport der zwischen 25 und 50 Tonnen schweren Sandsteinmonolithen, die in der Frühbronzezeit (2000 –1500 v. Chr.) über eine Strecke von 30 km herangeschafft werden mussten. Jeder der riesigen Findlinge lag auf einem mächtigen Schlitten, der über eine Rollenbahn gezogen wurde. Hatte der Schlitten eine solche Rolle passiert, waren sechs Männer notwendig, um einen der runden Stämme von hinten wieder nach vorne zu bringen. In der Ebene benötigten die frühen Ingenieure 50 Personen, um einen 25 Tonnen schweren Block fortzubewegen. Am Redhorn Hill, einige Kilometer nördlich von Stonehenge, geht es jedoch steil bergauf, und dort waren über 1000 Männer erforderlich, um einen der schweren Steine hochzubekommen. Nur über Hebelbewegungen wurden die Steine aufgerichtet. Man grub ein Loch, brachte den Wackermann auf Rollen heran, setzte einen langen Stamm unter sein Ende und hebelte ihn in die Grube. Mit weiteren Hebelbewegungen - wobei man den Hebel auf langsam erhöhten Lagen von Stämmen aufsetzte - brachte man den Stein annähernd in die Senkrechte und zog ihn zum Schluss mit Seilen in die aufrechte Position; dann wurde das Loch mit Steinen und Sand geschlossen. Die Decksteine, also der obere Abschluss eines Trilithen, kamen wahrscheinlich über ein Gerüst nach oben. Unsere frühen Bauarbeiter legten rund um die beiden Ständersteine kreuzweise Lagen von Vierkanthölzern hoch, die mit Planken bedeckt waren, auf denen der Abschlussstein ruhte. Oben dann angekommen, wurde die Oberschwelle mittels Hebelkraft auf die bei den Ständersteine gelegt; Zapfen in den stehenden Steinen und Löcher in der Oberschwelle sorgten dafür, dass alle Monolithe zusammenhielten.

Dienstagmorgen trafen wir uns im Kingspark am Bus, um gemeinsam zur nahegelegenen Porchester School zu pilgern. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Leiter Herrn Idle wurden wir in kleinen Gruppen auf verschiedene Klassen aufgeteilt und nahmen den Vormittag über am Unterricht teil. Vor einem abschließenden Imbiss in der Schulkantine unterhielten sich Herr Idle und einige Schüler mit uns über unsere Eindrücke und beantworteten unsere Fragen. Der Nachmittag stand für Erkundungen auf eigene Faust zur Verfügung. Wir spazierten zunächst noch gemeinsam durch den Stadtteil Boscombe bis zum gleichnamigen Pier, den wir als Treffpunkt für den „Heimweg“ vereinbarten.

Ungefährdet vom Verkehr der Großstadt war das Zentrum von Bournemouth in etwa 1,5 Kilometer Entfernung über die Strandpromenade zu erreichen. Zu bestaunen am Undercliff Drive: die Schrägaufzüge, die bequem den Strand unterhalb der steilen Klippen erschließen. Lohnende Ziele in der City waren das Ozeanarium, der herrliche Park, in dem ein riesiger Ballon Besucher über die Stadt hebt oder die Bournemouth Pier (im Bildhintergrund die Isle of Wight). Freunde von Gruselgeschichten pilgern zum Grab von Mary Wollstonecraft-Shelly, der Autorin des Romans Frankenstein, auf den Friedhof der St.-Peters-Kirche. Möglichkeiten zum Einkaufen und Ausruhen gab es mehr als genug. Mittwochs mussten wir bis kurz nach 10 Uhr die 90 km bis Portsmouth zurückgelegt haben. Der Weg führt vorbei an der Landschaft des New Forrest und Englands wichtigster Hafenstadt Southhampton, von der aus 1912 das damals größte Passagierschiff der Welt, die Titanic in See stach. Der rund 350 km2 große, unter Naturschutz stehende New Forest, ein wunderschönes, ruhiges Wald- und Heidegebiet, einer der landschaftlichen Höhepunkte im Süden Englands, lädt zu Wanderungen und Spaziergängen ein. Wilhelm der Eroberer ließ die damals dichtbewaldete Region 1079 exklusiv für seine Jagdgesellschaften reservieren. Das englische Wort Forest, heute allgemein mit "Wald" übersetzt, bezeichnete in jenen Tagen den königlichen Forst, der ausschließlich dem Nutzen des Herrschers diente.
Im 17. und 18. Jh. wurden die großen Wälder durch die Flottenbauprogramme erheblich verkleinert, 100 Jahre später dann avancierte die Region per Parlamentsbeschluss zum Naturschutzgebiet, und es wurde kräftig aufgeforstet. Im gesamten Gebiet findet der Besucher die frei grasenden, halbwilden New Forest Ponies, die schon einmal stoisch auf der Fahrbahn stehen; auch Rinder haben hier einen geschützten Lebensraum und liegen nicht selten wiederkäuend auf der Straße. Der Autofahrer wird um eine defensive Fahrweise gebeten, Tiere, haben im Naturschutzgebiet "Vorfahrt".
Im Zentrum des New Forest liegt das Landstädtchen Lyndhurst, in dem ein Informationszentrum den interessierten Besucher tiefer mit der Fauna und Flora der Region bekannt macht.

Auf dem Friedhof des kleinen Ortes fand Mrs. Reginald Hargreaves, die hochbetagt 1932 starb und mit ihrem Mädchennamen Alice Liddel in die englische Literaturgeschichte eingegangen ist ihre letzte Ruhestätte. Als kleines Mädchen hatte sie Lewis Carroll zu seiner "Alice in Wonderland" (1865) inspiriert. 
Portsmouth glänzt durch seinem großen Reichtum an Sehenswürdigkeiten und Zeugnisse der Seefahrtsgeschichte. Im Historic Dockyard besuchten wir die Schiffe Mary Rose aus der Zeit Heinrichs VIII, die HMS Victory, das Flagschiff Admiral Nelsons und sahen den Dreimaster HMS Warrior, den Stolz der viktorianischen Marine, das stärkste Kriegsschiff Heinrich VIII.  Es sollte eine Streitmacht gegen die vor Portsmouth kreuzenden Franzosen anführen. Es kenterte am 19. Juli 1545 beim Auslaufen vor den Augen des entsetzten Königs; 700 Mann ertranken. In der einer Klimahalle ist eine Längsseite des Schiffes zu besichtigen. Konstante 5°C und ein feiner Seewassersprühregen halten die Schiffsplanken solange unter Meereskonditionen, bis die Restauratoren geeignete Konservierungstechniken entwickelt haben. Ohne diese Maßnahmen wären die Holzplanken schon lange zerfallen.
Während wir in der Klimahalle der Mary Rose durch einen Audioguide informiert wurden, bewies Herr Brutty auf der HMS Victory seine Qualitäten als Fremdenführer. Lord Horatio Nelson lief am 14. September 1805 mit seiner HMS Victory von Portsmouth Harbour aus, um die Seeherrschaft der Franzosen ein für allemal zu brechen; das gelang ihm in der Schlacht von Trafalgar.

Die Victory, ein Dreimaster, ist 62 m lang, 15,5 m breit und erreichte bei gutem Wetter unter vollen Segeln eine Geschwindigkeit von 8 Knoten (knapp 15 km/h ). Über 41 km an Seilen sicherten die drei Masten und die insgesamt 1,6 ha oder 16.000 m2 an Segelfläche. Das doppelte Steuerrad der Victory wurde unter normalen Wetterkonditionen ,,nur“ von vier, bei Sturm von acht Mann bedient. Im Unterdeck besaß sie 30 Kanonen des Kalibers 32 Pfund, im Mitteldeck 28 Vierundzwanzigpfünder, auf dem Oberdeck 30 und dem Achterdeck zwölf Zwölfpfünder sowie auf dem Vorderdeck zwei Achtundsechzigpfünder und zwei Zwölfpfünder. Die 68er Mörser waren für kurze Entfernungen konzipiert und richteten verheerende Schaden an. Eine Kugel aus einem Zweiunddreißigpfünder durchschlug noch nach 1,5 km Flug 60 cm dicke Eichenbalken . 850 Mann Besatzung waren nötig, um das Schiff kampftüchtig zu halten. Allein eine Kanone des Kalibers 32 benötigte eine Crew von 12 Personen; hinzu kam noch der Pulverjunge, Monkey genannt, der das Schiesspulver aus verständlichen Sicherheitsgründen für jeden einzelnen Schuss aus den tief im Innern des Schiffes gelegenen, besonders geschützten Hanging Magazines holte. Die Geschützmannschaften waren derartig gut gedrillt, dass die Victory alle 90 Sekunden eine volle Breitseite feuern konnte.
Gegessen und geschlafen wurde auf allen drei Decks zwischen den Kanonen; allein im Unterdeck aßen und schliefen 550 Mann. Dabei bekam jeder Matrose eine ,,Schlafbreite" von 14 inch = 35,5 cm zugestanden. In Friedenszeiten hingen Tischplatten an Seilen von der Decke, und einfache Bänke dienten als Sitzgelegenheiten. Drei Mahlzeiten gab es pro Tag; morgens Porridge aus Weizenmehl mit einem Schlag Fett, mittags gepökeltes Schweine- oder Rindfleisch mit getrockneten Erbsen und Schiffszwieback und abends Zwieback mit Käse und Butter. Auf jedem Deck befanden sich große Fässer, in denen schon nach einigen Tagen auf See das faulende Wasser stank; nach einer zeitgenössischen Quelle hatte dieses wichtigste aller Lebensmittel eine “Farbe von der Borke eines Birnenbaums, mit Maden und Rüsselkäfern darin“. Ähnliches wird vom Schiffszwieback berichtet, der den Schlund ganz eisig werden ließ, wenn man ihn herunterschluckte, weil "die Maden sehr kalt waren, und der wie Kalbspfote in Aspik oder wie ein glibriger Wackelpudding schmeckte." Die einzige Freude der hart arbeitenden Seeleute war die täglich ausgegebene Rum-Ration. Pro Mann gab es einen Viertelliter, der in einem großen Hieb weggeschluckt werden musste; so hatten die Matrosen keine Möglichkeit, den Alkohol zu horten und für ein großes Besäufnis aufzusparen.
Bänke und Tische ließen sich vor einem Kampfeinsatz leicht forträumen und verstauen. Abends hängten die Männer dann ihre Hängematten an die Decke, des Morgens wurden sie zu einem Bündel zusammengerollt. Die Brücke, also das hintere erhöhte Deck, der Ort, von dem die Offiziere ihre Befehle gaben, war mit Netzen eingefasst. Drohten Kampfhandlungen, so kamen die zu Würsten gerollten Hängematten dort hinein und dienten als Splitterschutz.
Am frühen Morgen des 21. Oktober 1805 sichtete Nelsons Flotte die französischen Schiffe vor dem südspanischen Kap Trafalgar. Napoleons Seestreitmacht war wesentlich stärker als die britische; die Franzosen konnten sieben Schiffe mehr in die Schlacht führen. Um 7 Uhr gab Nelson den Befehl Prepare for Battle, dann formierten sich die Flotten zu Kampfverbänden. Als die Schiffe noch 2,5 km voneinander entfernt waren, sagte Nelson zu seinem Adjutanten: ,,Ich werde die Flotte jetzt mit einem Signal erfreuen!" Und dann liess er den Spruch übermitteln, den jedes englische Schulkind kennt. „England expects that every man will do his duty“ (England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tut). Um 12.40 Uhr eröffnete die Victory eine erste Breitseite auf das französische Flaggschiff Bucentaure. Die Kanonade aus 52 Geschützen richtete verheerende Schäden an, tötete an die 200 Franzosen und ließ; das Schiff des Admirals Villeneuve manövrierunfähig zurück. Dann durchbrach die Victory den feindlichen Verband, gefolgt von weiteren britischen Schiffen, die ihre Breitseiten auf die Franzosen abfeuerten. Eine parallel zur Victory segelnde britische Streitmacht durchbrach an einer weiteren Stelle die Linie, so dass die Flotte der Franzosen in drei Teile gespalten war und nicht mehr synchron kämpfen konnte. Um 13.25 Uhr, 45 Minuten nachdem die Victory das Feuer eröffnet hatte, wurde Nelson von der Musketenkugel eines Mastschützen getroffen. Rasch brachten einige Offiziere den Admiral - der sich sein Taschentuch vor das Gesicht hielt, damit seine Männer nichts vom Ausfall ihres obersten Schlachtenlenkers sahen - unter Deck. Doch der Schiffsarzt konnte nichts mehr für ihn tun. Als die Kämpfe vorbei waren, kam Thomas Hardy, der Kapitän der Victory, hinunter, gratulierte Nelson zu seiner erfolgreichen Taktik und meldete die Versenkung oder Zerstörung von 15 französischen Schiffen. ,,Das ist gut", soll Nelson geflüstert haben, doch hatte ich eigentlich mit 20 gerechnet.“ Und so verschied der Held von Trafalgar.Den weitaus meisten Engländern galt sein Tod übrigens als göttliche Strafe für sein langjähriges Verhältnis mit Lady Emma Hamilton, der Frau des britischen Gesandten in Neapel. Die sterblichen Reste des Admirals wurden in der St. Paul's Cathedral beigesetzt.

Nach einem Imbiss auf dem historischen Hafengelände vermittelte uns eine Hafenrundfahrt auf einem Katamaran einen Überblick über die Vielfalt moderner Seeschiffe, Hafeneinrichtungen und Funktionen. Das Programm des Tages endete in einer modernen Halle. An sogenannten Action Stations (z.B. Flugsimulator, Landungsbootsimulator, Simulatoren für Waffensysteme, motorbetriebene Kletterwand, ...) gewährte man uns Einblicke ins Leben der modernen Marine. Von einem integrierten Internetkaffee aus, versandten einige trotz Hindernissen Botschaften in die Heimat.

Das Geburtshaus des sozialkritischen Dichters Charles Dickens (7. Februar 1812) steuerten wir aus Zeitmangel nicht mehr an. Dickens ist jedoch nicht der einzige Autor, den Portsmouth vorzuweisen hat. H. G. Wells (1866-1946), der "Erfinder" der Zeitmaschine, arbeitete als junger Mann in der St. Paul's Road in einem Textilgeschäft, zog sich in jede freien Minute hinter einen Tuchballen zurück, las und bildete sich weiter. Im September 1882 öffnete Arthur Conan Doyle (1859-1930) in Bush Villas Nr. 1 eine Arztpraxis. Fünf Jahr, später erschien sein erster Roman "A Study in Scarlet" (dt. "Späte Rache"), in dem Sherlock Holmes - benannt nach zwei be-kannten Cricketspielern - zum ersten Mal auftritt. Den Dr. Watson, der dem Detektiv zur Seite steht, modellierte Doyle nach dem Arzt Dr. James Watson, dem Präsidenten der literarischen und naturwissenschaftlichen Gesellschaft von Portsmouth.  Am Donnerstag hieß es in der Frühe Abschied von den Gasteltern nehmen und Start zur Rückreise über London (ca. 180 km).   In der Nähe von Marble Arch stiegen wir aus. Zunächst mussten in der Park Lane noch Eintrittskarten für Tussauds gekauft werden. Eine kurze Etappe mit einem Sightseeing-Bus bis zur Ecke Bakerstreet/Marylebone Road, das Wachs-figurenkabinett war erreicht.

Es wurde 1835 von Marie Tussaud, einer vermutlich aus der Schweiz stammenden französischen Wachsbildnerin, gegründet. Nachdem Marie Grosholtz (1760-1850) im Jahr 1794 François Tussaud geheiratet hatte, wurde sie zunächst die Hauslehrerin der Schwester Ludwigs XVI. Während der Französischen Revolution als Monarchistin verhaftet, war sie gezwungen, von den Opfern der Guillotine Totenmasken anzufertigen. 1802 ging Tussaud nach England und gründete in der Baker Street 1835 ihr Wachsfigurenkabinett. Heute befindet sich das Museum in der Marylebone Road. Viele der ausgestellten Wachsfiguren, so die von Horatio Nelson und Sir Walter Scott, wurden von der Gründerin selbst angefertigt. Die Sammlung, zu der inzwischen lebensgroße Modelle von historischen Persönlichkeiten, Politikern, Sportlern und Unterhaltungsstars gehören, wird ständig aktualisiert. In einer so genannten Chamber of Horrors (Schreckenskammer) sind berühmte Kriminalfälle und Gewaltverbrechen nachgestellt. Die beliebte Touristenattraktion, zieht jährlich 2,5 Millionen Besucher an. Unsere Mittagspause verbrachten wir im Sonnenschein auf dem Rasen des nahegelegenen Regents Parks. Danach war eine Sightseeing-Tour mit einen Doppeldecker-Bus5314 angesagt. Bei Sonnenschein, aber allmählich kühler werdenden Temperaturen, flitzten, begleitet von Kommentaren aus kleinen Kopfhörern vorbei: Picadilly Circus, Trafalgar Square, Downing Street, Houses of Parliament mit "Big Ben"5300, und seiner weltberühmten 13 Tonnen schweren Glocke, das zur Jahrtausendwende eingeweihten größte Riesenrad der Welt, das "London Eye", von dem aus bei gutem Wetter aus 135 Meter Höhe das fast 40 Kilometer entfernte Windsor zu sehen ist, die St. Pauls Kathedrale, die Tower Brücke, Shakespeares Globe Theater, Westminster Abby und schließlich die Endstation für uns: Hyde Park Corner. Aus dem fahrenden Bus gelang dem einen oder anderen auch ein Schnappschuss auf den Canary Wharf Tower (in den fünfziger Jahren lagerten hier Bananen und Tomaten von den Kanaren!) dem wirtschaftlichen Zentrum der Docklands und mit 237 Metern höchsten Gebäude Groß-Britanniens (der amerikanische Architekt argentinischer Herkunft Cesar Pelli schuf auch den Petronas Tower in Kuala Lumpur!) oder die neue City Hall, mit dem mietbaren "Wohnzimmer Londons" im 10. Stock, eine gewagten Konstruktion aus Glas, Stahl und Beton entworfen vom Architekten der Berliner Reichstagskuppel Norman Forster. Forster schuf auch die "Glasgranate", den Swiss-Re-Turm von fast 200 Metern Höhe und die 325 m lange stählerne Millennium Brücke, die erste Flussüberquerungsmöglichkeit für Fußgänger über die Themse in Zentrallondon (Höhe St. Pauls Kathedrale) seit über einem Jahrhundert. Nach etwa zwei Stunden Sitzen und angestrengtem Spähen und Lauschen freuten wir uns auf ein abschließendes Shopping im Stadtteil Soho. Den Weg dorthin hatten wir so gewählt, dass das bekannte Hard-Rock-Kaffee zum Souvenirkauf angesteuert werden konnte. Als sich bereits mit Einbruch der Dunkelheit alle wohlbehalten an der Eros Statue am Picadilly Circus eingefunden hatten, und wir gemeinsam zum Bus Richtung Trafalgar Sqare pilgerten, stimmte man wohl darin überein, dass ein Besuch bei weitem nicht ausreicht, denn in London ist alles überdimensional.